Psychopharmaka - Fluch oder Segen?

Psychopharmaka sollen Menschen in psychisch sehr belastenden Situationen für einen begrenzten Zeitraum entlasten, um sich zu regenerieren, unter Kontrolle zu halten oder noch bis zu einem bestimmten Grad leistungsfähig zu bleiben.


In den letzten Jahren ist die Verschreibung von Psychopharmaka für Menschen in allen Altersklassen stark angestiegen und die definierten Möglichkeiten, Psychopharmaka zu verschreiben, wurden stark erweitert. Zu wessen Nutzen oder Schaden möchte ich hier zur Diskussion stellen.

Wann sind Psychopharmaka sinnvoll?

In akuten Notfallsituationen, bei schweren seelischen Erkrankungen, starken Ängsten oder Depressionen können Psychopharmaka sinnvoll und für einen möglichst begrenzten Zeitraum zum Einsatz kommen. Psychopharmaka können dann sogar Leben retten, falls eine Suizidgefahr im Raum steht. In weniger schweren Fällen sollte der Arzt oder Psychiater abwägen, ob leichteres Medikament schon hiflt, bevor Psychopharmaka verschrieben werden.

 

Psychopharmaka können bei einem Löffel Valium für das Kind vor dem Zahnarztbesuch anfangen, über die Gabe von Ritalin für ein hyperaktives Schulkind für eine definierte Zeitspanne bis zu einer längeren Verschreibung von Psychopharmaka für schwerst depressive Menschen, die unter Selbstmordgedanken leiden. 

 

Der heutige Alltag sieht aber schon ganz anders aus: Viele Schulkinder bekommen nehmen heute genau so  selbstverständlich Psychopharmaka wie viele Angestellte mit einem stressigen Arbeitstag. Gesetzlich werden immer neue Möglichkeiten bzw. Diagnosen oder Krankheitsbilder geschaffen, um Psychopharmaka zu verschreiben. Die Pharmaindustie fordert die Ärzte und Psychiater sogar aktiv dazu auf, häufiger Psychopharmaka zu verschreiben. Das klingt nach einer gefährlichen Entwicklung, wo der Profit über das tatsächliche Patientenwohl gestellt wird.


Psychopharmaka finden ihre Abnehmer nicht nur im Leistungssport, sondern auch schon auf Breitensportebene. In Altersheimen und Pflegeeinrichtungen werden Patienten regelmäßig mit Psychopharmaka ruhig gestellt. Nicht nur, um die Anwohner vor unkontrollierten Handlungen zu schützen, sondern um das überlastete Personal zu entlasten. Beim Militär sind Psychopharmaka und leistungssteigernde Medikamente schon lange die Norm. Ein klassisches Beispiel sind Kampfpiloten, die über eine längere Einsatzzeit voll konzentriert und voll leistungsfähig bleiben müssen, damit sie und ihre Kammeraden an Bord überleben. Zu Schlafengehen gibt es dann ebenfalls das passende Medikament.

 

Der erfahrene Psychiater Prof. Dr. Allen Frances erklärt Dir die aktuelle Situation mit dem dazu gehörigen Trend im folgenden Video genauer mit viel Insiderwissen:

Die Psychopille als schnelle Problemlösung soll offenbar die breite Masse der Bevölkerung erreichen. In den USA ist dies schon Realität geworden. Besorgniserregend ist die Sorglosigkeit der Patienten über den Umgang mit den Psychopharmaka, die häufig deutliche Nebenwirkungen haben.

 

Ein unsachgemäßes, zu schnelles Absetzen von Psychopharmaka kann zu Entzugserscheinungen und Rückschlag-Symptomen, dem sogenannten Rebound-Phänomän, führen. 

 

Längerfristig eingenommene Psychopharmaka, das heißt ab mehr als 3 Wochen, können den Körper des Patienten deutlich schädigen und abhängig machen. Lies Dir also immer den Beipackzettel genau durch und lasse Dir von Deinem Arzt oder Psychiater Altenativen zum vorgeschlagenen Medikament aufzeigen, wenn Du oder ein Angehöriger betroffen ist.

 

Besonders besorgt mich der hohe Anstieg des Konsums von Ritalin, Antidepressiva & Co. bei Schulkindern. Ritalin scheint zum Allheilmittel gegen Hyperaktivität und für Leistungsfähigkeit in der Schule bei vielen Kindern geworden zu sein. Die Pharmalobby hat eine umsatzstarke Zielgruppe entdeckt und für diesen Trend den Weg systematisch geebnet. Eine mir bekannte Lehrerin wurde zu Anfang ihrer Laufbahn mit einer Aussage einer ihrer Schüler geschockt, der bei einem Leistungsknick nur trocken meinte, "...da lasse ich mir von meinem Doc ein paar neue Pillen verschreiben und dann klappt das auch wieder mit den guten Noten." Auch beim Sport oder in der Arbeitswelt ist der Konsum von Medikamenten zur Leistungssteigerung nichts Ungewöhnliches mehr. Man will schließlich bei den stets steigenden Leistungsanforderungen seinen Job behalten.

 

Das ZDF-Magazin Frointal-21 beschreibt die heutig gängige Situation und die Folgen bei Kindern und Jugendlichen:

Nach meiner Meinung wäre es besser, das Schulsystem und die Arbeitswelt an den Menschen anzupassen und nicht umgekehrt.

Insbesondere bei Kindern können durch eine wieder kindgerechte Kindheit für die Persönlichkeitsentwicklung wertvolle persönliche und soziale Grundlagen geschaffen werden.

 

Depressionen können in schwerer Form oder langfristig eine sehr ernste Gefahr für das eigene Leben werden, die oft klassisch mit Psychopharmaka behandelt werden. Alternativen dazu sind Kombinationen aus Psychotherapie, Meditation oder auch neue, viel besser verträglichere Medikamente. Die auf Melatonin basierenden Psychopharmaka gegen Depressionen werden im folgenden Video von einem österreichischen Arzt vorgestellt.

 

Grundlegend wichtig für eine Heilung sind für Betroffene vor allem das Überdenken der eigenen Lebensführung, die eigenen Glaubenssätze, positive Selbstwertvorstellungen und insbesondere die eigene Stressreduktion im Alltag.

 

In akuten Fällen sind für tatsächlich betroffene Menschen eine heute schnellere, unkompliziertere Krankschreibungsmöglichkeit und eine schnelle Erstmedikation auch ein Vorteil, um aus einem Teufelskreis ausbrechen zu können.

 

Eine unüberlegte Einnahme von Psychopharmaka als schnelle Problemlöser im Alltag für jedermann halte ich für sehr unverantwortlich und gefährlich. Die Einnahme von Psychopharmaka sollte ein Ausnahmefall bleiben und darf kein Regelfall werden.

Ich empfehle Dir als Fazit als Betroffener möglichst frühzeitig verantwortungsvoll zu handeln, mehrere Lösungsmöglichkeiten für Dich oder betroffene Verwandte, etc. zu recherchieren und Dein Problem aktiv anzugehen. Umso länger Du wartest, desto schlimmer wird es. Lass Dich nicht unter Druck setzen oder habe Angst vor einem Jobverlust. Ich weiß: das ist immer leicht gesagt. Aber Deine Gesundheit oder die Gesundheit Deines Kindes oder eines betroffene Verwandten ist mehr wert, als ein Schuljahr oder eine Arbeitsstelle.

 

Du solltest Dir einen Arzt oder Psychiater auswählen, der verantwortungsvoll mit Deinen Problemen umgeht, auf Augenhöhe mit Dir kommuniziert und nicht Kommerz vor Patientenwohl stellt. Ansonsten solltest Du zu einem anderen Mediziner wechseln.

 

In Düsseldorf kann ich Dir durch meine Netzwerk schnell medizinische Hilfe zukommen lassen, wenn Du Hilfe brauchst.

 

Zur vertiefenden Info habe ich für Dich folgende Buchempfehlungen zu diesem Thema:

 

 


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Kommentare: 2
  • #1

    Rita Schadeberg (Montag, 16 März 2015 21:17)

    Also mir haben die Mittel gut geholfen. CIh bin weder abhänging geworden, noch nehme ich sie heute noch. Bitte keine Hetzte gegen gut wirksamen Medikamente.

  • #2

    Oliver Triebel (Montag, 16 März 2015 23:07)

    @ Rita:
    Mein Artikel sollte Psychopharmaka an sich nicht verteufeln, sondern zu einem besonnenen Konsum und einer verantwortungsvollen Verschreibung aufrufen. Ich denke, diese Punkte auch klar in meinem Artikel und in den Videos angesprochen zu haben. Daher finde ich Deinen / Ihren Begriff der Hetze etwas unangebracht. Fakt ist, dass die Verschreibung und der Konsum von Psychopharmaka international stark aus dem Ruder laufen. Wenn aber die langfristige Einnahme eines Medikamentes sinnvoll und gut verträglich ist, finde ich das nicht bedenklich. Vielen Dank für den Kommentar.

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Offizielle Stellen sehen Impfungen als den besten Schutz gegen gefährliche Krankheiten an. Immer wieder bekommen wir des gebetsmühlenartige Mantra "Impfungen sind sicher und wirksam" zu hören.

 

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Wenn Du aber genauer hinsiehst, gibt es umso mehr wissenschaftlich fundierte Impfkritiker und Impfgegner, umso mehr staatlicher Druck oder gar Zwang auf die Bevölkerung ausgeübt wird. Hier gehe ich der Sache auf den Grund, ob tatsächlich fachliche Zweifel am Impfwesen berechtigt sind.

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