Mein Rolfing Tagebuch Teil 2 / 3

Eines meiner Ziele, das ich für 2017 endlich angehen wollte, waren meine alten 'Gebrechen', die ich mir in meiner Kampfsportära zugezogen hatte, die aber nie zu 100 % auskuriert waren.

 

Zwar hatte ich schon einige Methoden ausprobiert, die zwar Linderung gebracht hatten, aber die Problematiken eben nicht zu 100% gelöst hatten. Also musste eine andere, intensivere Methode her, die richtig in die Tiefe geht.

 

Nach einigen Recherchen über die Jahre entschied ich mich, es mit Rolfing zu versuchen. Ich fand in Düsseldorf eine zertifizierte Rolferin, die einen guten Eindruck auf mich machte.

 

Dieser Blogartikel beschreibt meine Erfahrungen und Ergebnisse in den 10 Standardsitzungen bei ihr. 

Alte Sportverletzungen auskurieren mit Rolfing 2

Die von mir erwählte Rolferin heißt Stephanie Vierhaus und hat ihre Praxis im 5. OG eines Gewerbehauses in der Düsseldorfer Innenstadt. 

 

In unserem Vorgespräch im Dezember 2016 erklärte ich ihr meine Situation, dass ich die Nachwirkungen meiner alten Wehwehchen vom Kampfsport nun endlich loswerden möchte.

 

Auf Rolfing fiel deshalb meine Wahl, weil Rolfing den kompletten Bewegungsapparat, der eben von Faszien umhüllt ist und gestützt wird ganzheitlich sieht und behandelt. Ich hatte von einem Kollegen gehört, dass Rolfing eine sehr intensive Methode ist, die unter anderem auch sehr schmerzhaft sein kann. Letzteres verneinte Frau Vierhaus. Hier ist Teil 2 meiner Serie.

 

Wir vereinbarten ein Standard-Paket von 10 Sitzungen, das meinen kompletten Körper wieder in seine fasziale Ordnung bringen sollte. 

April

 

In der 4. Rolfingsitzung ging es für mich ans Eingemachte. Nicht nur dass ich wusste, dass an diesem Tag eine meiner Problemzonen die besondere Aufmerksamkeit von Frau Vierhaus genießen würde. Die 4. Sitzung ist die erste Sitzung der 10-er-Behandlungsserie, die richtig in die Tiefe der faszialen Struktur geht...und das bekam ich sehr deutlich zu spüren.

 

Das Motto dieser Sitzung ist es, die Beine vom Becken zu befreien. Keine Sorge! Mir wurden nicht die Beine amputiert. ;-) Es geht darum,

  • mehr Platz für Bewegung der Beine in den Hüftgelenken zu schaffen,
  • den Sitzbeinhöckern mehr Platz zu verschaffen,
  • die tiefe, fasziale Struktur der Innenseite der Beine bis hinab zu den Füßen zu entspannen und
  • eine vorbereitende Entspannung des Bauchfells für die 5. Sitzung vorzunehmen.

In dieser Sitzung hatte ich an einzelnen Stellen erstmalig wirklich Schmerzen und nicht nur Ziehen und Zwacken wie zuvor.

 

Mein Gangbild hatte sich wieder deutlich verbessert, was nach der 4. Sitzung noch deutlicher zu spüren war. Eine sehr gute 'Bodenhaftung' meiner Füße und ein sehr entspanntes Gefühl in meinen Beinen waren die wunderschöne Belohnung für die Torturen. 

 

Am Ende bekam ich wieder eine kleine und feine Übung mit nach Hause mit. 


Dazu setze ich mich mit dem Rücken möglichst gerade an eine Wand. Wenn ich mit dem kompletten Rücken nicht ganz an die Wand komme, hat es Priorität, dass meine Hüfte direkt an der Wand ist. Meine Beine liegen gerade und entspannt vor mir, wie auf den Bildern. 

 

Meine Aufgabe ist es jetzt, jeden Fuß vom Fuß über das Knie bis in den Oberschenkel wenige Zentimeter nach innen zu rotieren und dann wieder entspannt abzulassen. Meine Hüfte bewegt sich nicht mit. 

 

Ich bin gespannt, wie lange mein Körper braucht, um diese Sitzung zu 'verdauen'. Auf jeden Fall freue ich mich wieder auf den nächsten Termin bei Frau Vierhaus. 

Mai

 

Die 5. Sitzung ist eine Fortsetzung der 4. Sitzung und somit auch eine Sitzung, die in die Tiefe der Faszienstruktur geht.

  • Der Oberkörper wird vom Becken gelöst,
  • Das Bewusstsein für den eigenen Oberkörper wird deutlich gesteigert und 
  • der Hüftbeuger (Psoas) wird aufgeweckt. 

In dieser Sitzung lernte ich 2 'Baustellen' sehr intensiv zu spüren: den zu erwartenden, teilweise sehr verspannten Psoas und - unerwartet - meine Bauchmuskulatur, wo Frau Vierhaus teilweise Faszienstränge gar nicht richtig greifen konnte, weil sie zu verspannt waren. Beim meinem verspannten Hüftbeuger gab es besonders auf der linken Seite ein paar sehr fiese Momente für mich, bis die Verspannungen soweit herausmassiert worden waren.

 

Beim Vorher-Nachher-Vergleich bei der Ganganalyse gab es auch diesmal wieder eine deutliche Verbesserung, die zu sehen und zu fühlen war. Bis mein System diese 5. Sitzung vollends verdaut haben wird, werden ein paar Wochen ins Land ziehen. So viel steht fest zur Halbzeit!

 

Eine neue Übung bekam ich diesmal nicht mit nach Hause, aber meine Fußbäder nehme ich fast täglich und von den vorherigen Übungen machen ich auch immer wieder die eine oder andere gerne, wie z. B. das Ausrichten der Sitzbeinhöcker oder das Auspendeln meiner Beine, was mir alles sehr gut tut.

 

Auffällig war für mich, dass sich bei den tiefen Sitzungen meine von Frau Vierhaus verordnete Schlafzeit nach jeder Behandlung deutlich verlängerte. Bei den ersten Sitzungen schlief ich durchschnittlich 90 Minuten. Diese Zeit verlängerte sich bei der tiefen Sitzung auf 2,5 Stunden! 

 

Mal sehen, wann mein Körper die nächste Sitzung haben möchte...

Juni

 

Fast 6 Wochen später war es dann soweit: Das Thema der 6. Sitzung ist die komplette Rückenlinie, die von den Fußsohlen an beginnt, über die komplette Körperrückseite verläuft und am Hinterkopf endet. Dies ist ebenfalls eine tief gehende Sitzung.

 

Zwei meiner 'Baustellen' brachten mir wieder richtig 'Spaß'. Nach der Behandlung waren diese Regionen deutlich entspannter. Der Schmerz hatte sich also gelohnt. 

 

Die routinemäßige Ganganalyse fiel beim Vorher-Durchgang schon sehr gut aus, wurde aber beim Nachher-Durchgang nochmals etwas verbessert. Meine Beine fühlten sich etwas schwerer an, aber mein Gang war trotzdem leichter.

 

Die Entspannung der kompletten Rückenlinie wirkt sich natürlich auch positiv auf die Wirbelsäule aus. Dazu bekam ich wieder eine Übung mit nach Hause.

Ich lege mich auf ein zusammengerolltes, langes Badehandtuch, dass ich genau entlang meiner Wirbelsäule platziere. Dann versuche ich, mit meiner kompletten Wirbelsäule Kontakt zum Handtuch aufzunehmen bzw. meine Wirbelsäule komplett auf dem zusammengerollten Handtuch abzulegen. Wenn ich das gut und schmerzfrei geschafft habe, versuche ich meine Arme und Beine wie folgt einige Zentimeter vom Boden abzuheben:

  • abwechselnd der linke und der rechte Arm,
  • beide Arme,
  • abwechselnd das linke und das rechte Bein und
  • beide Beine.

Danach fühle ich in meine Wirbelsäule hinein und nehme wahr, wie sich der Kontakt zum Handtuch und der Entspannungszustand entwickelt hat.

 

Zu Hause freute ich mich wieder auf mein 'verordnete Bettruhe'. Ich schlief 3 Stunden tief und fest. Mir fiel besonders auf, dass meine gesamte Wirbelsäule total entspannt auf der Matratze in Rückenlage schlief. 

 

Natürlich freue ich mich auf die nächste Rolfingsitzung bei Frau Vierhaus. 

Juli

 

Die vorherige Rolfingsitzung hatte mein Körper trotz der hohen Intensivität sehr gut verarbeitet. Für die zweite Julihälfte fühlte ich mich bereit für die Folgesitzung, die die letzte der tiefer gehenden Sitzungen sein sollte.

 

Das Thema der 7. Rolfingsitzung hieß: "den Kopf aufsetzen". Ok, das solltest Du jetzt nicht zu wörtlich nehmen.

 

Der Kopf ist an sich eine relativ kleine Fläche - verglichen zu anderen Körperregionen, die in den letzten Sitzungen behandelt würden. Dafür verlaufen und enden im Kopf viele Muskeln mit deren Faszien, die es zu entspannen gilt und dem restlichen schon entspannten Körper jetzt neu zu verbinden gilt.  

 

Bevor Frau Vierhaus tatsächlich am Kopf zu arbeiten begann, startete sie mit ein paar vorbereitenden Handgriffen an meinen Füßen, meinen Schultern und meinem Nacken, um eine bessere Verbindung zur Faszienstruktur meines Kopfes zu bekommen. Dabei ging sie auch wieder an ein paar meiner alten 'Baustellen', die uns in Zukunft bestimmt noch länger beschäftigen werden...autschn!

 

Neben den Ohren wurden auch meine Augen, meine Nase und mein Mund bearbeitet, was teilweise etwas gewöhnungsbedürftig war, aber letztendlich alles gut lief.

 

Mein 'Schaulaufen' aka Ganganalyse vor und nach der Sitzung waren einwandfrei für Frau Viehaus. 

 

Nach der Sitzung konnte ich mich gut von stressigen Gedanken distanzieren. Situativ aufkommende Aggressionen verflogen sehr schnell wieder. Mein komplettes Denken wurde und ist sehr entspannt. Interessant ist, dass ich gar keine Lust mehr auf Alkohol hatte. 

 

Ich freue mich schon auf die nächste Rolfingsitzung im August bei Frau Vierhaus. Dann beginnt der letzte Abschnitt der Rolfing-Behandlungsreihe; Sitzung 8 bis 10.  

 

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Fortsetzung folgt!

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Dieser Blogartikel beschreibt meine Erfahrungen und Ergebnisse in den 10 Standardsitzungen bei ihr. Dies ist der letzte meiner 3-teiligen Reportage.

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