Test der VIVOBAREFOOT Motus Men Barfußlaufschuhe

Das Thema Barfußschuhe hatte ich mir auf Zieleliste für 2017 geschrieben.

 

Nach einiger Recherche bis Ende Winter hatte ich mich für ein Modell entschieden. 

 

Was danach begann, war kein einfaches Anziehen und loslaufen, wie bei gewöhnlichen Schuhen. Es wurde ein Abenteuer und eine wertvolle Selbsterfahrung mit den VIVOBAREFOOT Motus Men, die ich Dir  hier vorstellen möchte. 

Ein neues Laufgefühl erleben

Melody und Mellie mussten natürlich gleich gucken kommen. Frauen und Schuhe, sage ich nur! ;-)
Melody und Mellie mussten natürlich gleich gucken kommen. Frauen und Schuhe, sage ich nur! ;-)

Vor ca. 2,5 Jahren hatte ich mir erstmals Barfußschuhe gekauft, als Barfußschuhe so langsam salonfähig wurden. Es waren die VIBRAM Fivefingers, die es aber nie nach draußen geschafft haben. Ich benutze sie nur zum Indoor Training beim Wing Tsun und TRX. Außerdem kam ich beim Anziehen mit den fünf separaten Zehen nicht so gut klar. 

 

Für 2017 hatte ich mir vorgenommen, das Thema Barfußschuhe nochmal konsequenter anzugehen: mit neuen Barfußschuhen ohne Zehen. Anstatt normaler Schuhe würde ich einfach Barfußschuhe tragen; so war der Plan.

 

Da ich schon seit über 3 Jahren mehrere Modelle des Geox Uomo Snake getragen habe, der ein sehr leichter Slipper mit dünner Sohle ist, dachte ich mir, dass die Umstellung auf Barfußschuhe jetzt nicht mehr ein so großer Unterschied sein kann und sich meine Fußmuskulatur schon ganz gut an erhöhte Belastungen im Alltag angepasst hat. Pustekuchen! 

 

Die wenigen Millimeter Unterschied machen richtig etwas aus. Nicht nur die Fußmuskulatur fühlt und arbeitet mehr. Auch die Sehen werden deutlich stärker belastet und Du merkst das in Deiner gesamten Muskulatur von den Füßen hoch bis mindestens in den Rücken. Es kann bis in Deinen Kopf Effekte auf die Neuanpassung Deiner Muskulatur haben. 

 

Bei meinen Recherchen empfahlen mir einige Trainer klar, spezielle Seminare zur Barfußlaufen zu absolvieren, was mich interessierte, aber ich auch vermutete, dass es sich eher um Geschäftstüchtigkeit der Trainer als um eine 100 % Notwenigkeit handelte. Jedenfalls wollte ich die VIVOBAREFOOT Motus Men haben und zuerst einmal selbst hineinfühlen, bevor ich ein Seminar folgen lassen wollte. 

Unboxing VIVOBAREFOOT Motus Men

Am 1. März 2017 kamen dann meine bestellten VIVOBAREFOOT Motus Men per DHL bei mir an. Eine leichte Thermo-Einlegesohle für die kalte Jahreszeit war im Lieferumfang mit dabei.

 

Der Werbeslogan 'Let your feet do their natural thing' klingt für mich nach "Genau das, was ich gesucht habe!", denn ich will mit den Barfußschuhen meinen normalschuhgeschädigten und zu Tode geschonten Füßen wieder etwas von ihren natürlichen (gesunden) Belastungen zurückgeben und meinem Körper damit auch zu einer besseren Struktur verhelfen. 

 

Natürlich hatte ich die VIVOBAREFOOT gleich anprobiert. Sie passten sehr gut und waren vor allem vorne im Zehenbereich angenehm breiter. 

 

Konventionelle Schuhe werden im Zehenbereich - ganz im Gegenteil zur Natur des gesunden Fußes - schmaler und nicht breiter. Die Folge sind im Extremfall überlappende Zehen, wie ich sie vor meiner Geox Snake Uomo Zeit in sehr festen Schuhen hatte. Mit meinem Wechsel zu Geox und bewusst leichteren Schuhe verbesserte sich dieser Misstand sichtbar; war aber noch deutlich entfernt von einem natürlichen Fuß, wo die gesunden Zehen fächerförmig auseinander gehen. 

Ein Igelball leistet Dir gute Dienste bei der Massage Deiner Plantarfaszie.
Ein Igelball leistet Dir gute Dienste bei der Massage Deiner Plantarfaszie.

Vorweg möchte ich schon auf die wichtigsten Übungen für Dein Fußtraining eingehen, die Dir helfen werden, Beschwerden beim Barfußlaufen zu verhindern. 

 

Es muss nicht zwangsläufig zu Beschwerden kommen, wenn Du von normalen Schuhen auf Barfußschuhe umsteigst. Bei meinen Nachforschungen traf ich auf eine Frau, die ihre ersten Barfußschuhe einfach anzog, sie fortan täglich trug und seither (1 Jahr) nie Beschwerden hatte. Doch in den meisten Fällen solltest Du darauf gefasst sein, dass nicht jeder Körper solch eine Umstellung einfach so wegsteckt. Also bereite Dich vor bzw. trainiere Deine Füße auch, wenn Du Deine Barfußschuhe schon trägst.

 

Eine umfassende Vorbereitung wie es beispielsweise die Barefoot Academy in Düsseldorf anbietet, ist eine gute Investition. Hier erhältst Du komprimiert viele Vorabinfos, Hintergrundwissen und - im wahrsten Sinne des Wortes - erste Gehversuche vermittelt.

 

Die Plantarfaszie Deiner Füße regelmäßig mit einem Igelball oder einem Golfball auszurollen, ist eine von mehreren guten Übungen, um Deine Füße fürs Barfußlaufen fitter zu machen. Meine Rolferin empfiehlt mir regelmäßige Fußbäder, die mir persönlich sehr gut tun. 

 

Hier kommen die wichtigsten Übungen für Dich, die Deine Füße wieder auf Trab bringen werden:


Des weiteren ist das Mobilisationstraining für Dein Sprunggelenk wichtig, das bei den meisten Menschen im Alltag unterfordern oder aufgrund falschen Trainingsansätzen zu sehr geschont wird. 

 

Funktionelles Training für Dein Sprunggelenk schützt Dich vor Beschwerden und hilft Deinen Füßen, wieder besser und natürlicher arbeiten zu können. 

So vorbereitet verminderst Du Dein potenzielles Verletzungsrisiko erheblich. Natürlich solltest Du zu Anfang bei Barfußgehen auch stets darauf achten, Deine Fußmuskulatur nicht zu überfordern, sondern die Belastung langsam und kontrolliert steigern. 

Laufen auf Asphalt

Kommen wir zur Praxis: Als Stadtmensch - auch mit guter Grünanbindung - laufe ich überwiegend Beton- bzw. Steinboden. Mit den Barfußschuhen merkt man schnell, dass Deine Füße nicht wirklich für solch einen Untergrund geschaffen sind.

 

Normale Schuhe - auch mit relativ dünner Sohle - dämpfen und schützen Deine Sohle noch recht stark im Vergleich zum Laufen in Barfußschuhen oder gar tatsächlichen Barfußlaufen.  

 

Insgesamt läufst Du in Barfußschuhen viel bewusster. Deine Fußmuskulatur muss jetzt viel mehr arbeiten, was Du ebenfalls deutlich fühlen wirst, bis sich Deine fast komplette Muskulatur an die neue Belastung innerhalb der nächsten Monate (wieder) angepasst hat. Deine Füße werden wieder zu taktilen Sinnesorganen, wie sie es früher einmal waren.  


Zu Eingewöhnen bzw. Umgewöhnen Deiner Füße an die Barfußschuhe las ich in einem Buch eine gute Strategie:

  • wechsele in bestimmten Abständen zwischen Deinen normalen Schuhen und Deinen Barfußschuhen
  • laufe einen Tag mit normalen Schuhen und jeden zweiten Tag für eine bestimmte Zeit in Barfußschuhen
  • Starte mit 2 bis 3 Minuten und erhöhe die Zeit mit jedem Barfußschuhtag die Zeit um weitere 2 bis 3 Minuten. 
  • Nach 3 Monaten sollten sich Deine Füße schon gut an Deine Barfußschuhe gewöhnt haben. Je nachdem wie gut, kannst Du entscheiden, weiterhin Deine verschiedenen Schuhe im Wechsel zu tragen oder ganz auf Barfußschuhe umzusteigen.
  • Wenn Du mit Barfußschuhen im Alltag unterwegs bist, ist es ratsam, ein Paar normale Schuhe immer zum Wechseln griffbereit zu haben, falls Du nach längeren Strecken in Barfußschuhen zu Muskelkater oder Blasen neigst.
  • Sie Deine Barfußschuhe in erster Linie als Trainingsgerät für Deine Füße und letztendlich für Deinen ganzen Körper!

Laufen auf Rasen / Off-road

Beim Laufen über Gras und durch Parks war das Laufen in Barfußschuhen einfach nur schön. Ein tatsächliches Glücksgefühl machte sich in mir breit. Durch die Barfußschuhe fühlte ich mich angenehm geschützt und sauber. Ich hatte trotzdem das angenehme Barfußlaufgefühl. 

 

Das Laufen über natürlichen Boden entspricht dem ursprünglichen Gehen auf unserer Erde. So liebe ich das!

Die Düsseldorfer Rheinwiesen
Die Düsseldorfer Rheinwiesen
Der Düsseldorfer Südpark, der später in den Volksgarten mündet.
Der Düsseldorfer Südpark, der später in den Volksgarten mündet.

Deine Lauftechnik Deiner Füße wird sich verändern

Durch unsere stark dämpfenden normalen Schuhe werden unsere vor den Folgen eines mehr oder minder starken Aufpralls beim Gehen, insbesondere beim Laufen oder Rennen. Joggigschuhe sind solch ein Klassiker, wenn es darum geht, die Füße vor den physikalischen Kräften des Aufpralls auf den oft harten Boden zu schützen.

 

Eine häufige Folge daraus entstand, dass der eilige Läufer seine Schrittlänge einfach vergrößerte, um schneller voran zu kommen. So kam der Läufer im Eilmodus jetzt primär mit seiner Ferse auf und nicht mit fast seinem kompletten Fuß. Dieses Phänomen nennt sich Heel Strike, weil Deine Ferse dabei schon recht heftig auf den Boden aufschlägt, aber Du es nicht merkst, weil Deine (normalen) Schuhe Dich vor den Schmerzen des andauernden Aufpralls schützen.

 

Wenn Du Barfußschuhe trägst oder tatsächlich barfuß läufst, wird Dich Dein Körper schmerzhaft an diesen technischen Lauffehler erinnern, weil Du dann sehr bald am Hacken Blasen bekommen wirst. Du solltest also Deine Lauftechnik ändern. So fing es auch bei mir an: Nach dem ersten Tag merkte ich, dass sich eine Blase ankündigte. Allerdings war ich da schon 20 km mit den Barfußschuhen gelaufen. Am 2. und 3. hatte ich tatsächlich jeweils eine Blase am Hacken. 

 

 

Meine Rolferin pflegt zu sagen: "Mit dem Psoas laufen, nicht mit dem Rectus femoris!" 

 

In Videos und Büchern wird von Trainern oft der Ballengang für das Barfußlaufen propagiert, wo der Fußballen beim Laufen als erstes den Boden berührt. Ich finde das zumindest beim Gehen unnatürlich und sehr das etwas anders: 

  • Gewöhne Dir vor allem erstmal den Heel Strike ab!
  • Versuche, mit Deinem ganzen Fuß aufzukommen und rolle Deinen Fuß dann vom Boden über (optimal den abgespreizten) Großzeh ab.
  • Du lernst beim Barfußgehen, wieder mit dem gesamten Fuß zu laufen. Der Fußballen wird dabei wieder eine große Rolle spielen, aber nicht die einzige große Hauptrolle.

Beim barfuß Laufen, Rennen und Springen sieht die Sache wieder anders aus: da kommst Du besser immer auf Deinem Fußballen auf, der als natürlicher Shock Absorber konzipiert ist. Man sollte aber deswegen nicht fälschlicherweise denken, dass es beim Gehen auch nur über den Ballen laufen muss. 

 

Zum besseren Verständnis schaue Dir bitte das folgende Video an, dass Naturvölker, denen niemals das Gehen beigebracht wurde und die auch in der Regel nie Schuhe trugen, zeigt. Sie laufen einfach! Ohne Heel Strike und ohne Ballengang. 

 

 

Wenn Du mit dem Barfußlaufen beginnst, kann es sehr gut passieren, dass Du beim Gehen eine Art Glücksgefühl entwickelst. Ich musste ständig in mich hinein lächeln und hatte plötzlich gute Laune. Meine Füße waren wieder zum Leben erwacht und haben sich wieder erinnert, wozu sie noch da sind, außer zum Laufen. Darum hatte ich es an meinen ersten beiden Tagen mit dem Barfußlaufen höllisch übertrieben: Über 20 km am ersten Tag und 10 km am zweiten Tag. Erst die Blasen am Fuß und der Muskelkater konnten mich zügeln. 

 

Ich merkte aber auch, dass ich plötzlich auf einem Bein besser stehen konnte.

 

Fazit VIVOBAREFOOT Motus Men

Die Sohlen dieses Barfußschuhs sind für normalen Untergrund (Straße, wenig Natur) ausgelegt. Es gibt andere Modelle von VIVOBAREFOOT, die eine spezielle Sohle für offenes Gelände aka die freie Natur haben.
Die Sohlen dieses Barfußschuhs sind für normalen Untergrund (Straße, wenig Natur) ausgelegt. Es gibt andere Modelle von VIVOBAREFOOT, die eine spezielle Sohle für offenes Gelände aka die freie Natur haben.

Es sind schon sehr schöne und bequeme Schuhe...und sie machen mir viel Spaß. Es war eine gute Entscheidung, sie mir zu kaufen. 

 

Seit 4 Monaten Erfahrung mit diesen Schuhen trage ich sie immer noch im Wechsel mit normalen Schuhen. Für mich sind diese Barfußschuhe immer noch in erster Linie mehr Trainingsgerät als Alltagsbekleidung. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass ich mit dem Barfußlaufen im Sinne von Rennen noch nicht vertraut bin und deshalb nur Barfußschuhe anziehe, wenn ich weiß, dass ich gemütlich gehen kann und keine Sprints hinlegen muss. Ich werde weiter an mit arbeiten und vom Feedback meines Körpers lernen. 

 

Von Insidern erfuhr ich, dass die Designer fast aller Barfußschuhe es mit der an-die-natürliche-Form-des-Fußes-angepasste-Schuhform es dann doch nicht so genau nehmen. Wir sind in unserem Kulturkreis einfach zu sehr daran gewöhnt, dass Schuhe vorne zumindest rund sind und zur Spitze hin schmaler werden. Wären Barfußschuhe tatsächlich 100%-ig an die natürliche Form und den Bewegungsbedarf des menschlichen Fußes (Auffächern der Zehen und Abspreizen des Großzehs!!!), müsste jeder Barfußschuh nach vorne fächerförmig sein und zur Spitze eben nicht wieder schlanker werden. 

 

Warum ist es aber doch anders? Eben wegen diesem Bild im Kopf der Menschen, wie ein Schuh auszusehen hat! Das natürliche Design würde sich so gut wie nicht verkaufen, weil diese Barfußschuhe die Form von Taucherflossen haben...ein lustiger Gedanke, wenn Dir so jemand draußen entgegen kommen würde (Kopfkino!). 

 

Gibt es einen Ausweg für Leute, die nicht gleich konsequent  barfuß laufen wollen, aber doch die optimalen Barfußschuhe ohne Taucherflossenoptik suchen? Ja! Unten findest Du einen Shopping-Link zu den Luna Sandals. Jawohl, Sandalen, Jesuslatschen...,aber welche, in denen Dein Fuß auch Halt hat und mit flexibler Sohle. 

 

Ebenfalls gibt es bereits Barfußschuhe im akzeptablen Businessdesign, zum Beispiel von der Firma Senmotic

 

Vielleicht bist Du ja jetzt auch auf den Geschmack gekommen, Barfußlaufen im Alltag auszuprobieren - ob mit oder ohne Schuhe. In der empfohlenen Literatur oder auf Workshops und Seminaren kannst Du Dein Wissen noch mehr vertiefen. Viel Spaß!

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Mein aktueller Blogeintrag:

Mein Rolfing Tagebuch Teil 3 / 3

Eines meiner Ziele, das ich für 2017 endlich angehen wollte, waren meine alten 'Gebrechen', die ich mir in meiner Kampfsportära zugezogen hatte, die aber nie zu 100 % auskuriert waren.

 

Zwar hatte ich schon einige Methoden ausprobiert, die zwar Linderung gebracht hatten, aber die Problematiken eben nicht zu 100% gelöst hatten. Also musste eine andere, intensivere Methode her, die richtig in die Tiefe geht.

 

Nach einigen Recherchen über die Jahre entschied ich mich, es mit Rolfing zu versuchen. Ich fand in Düsseldorf eine zertifizierte Rolferin, die einen guten Eindruck auf mich machte.

 

Dieser Blogartikel beschreibt meine Erfahrungen und Ergebnisse in den 10 Standardsitzungen bei ihr. Dies ist der letzte meiner 3-teiligen Reportage.

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