Gehst Du zum Psychologen?

Menschen, die zum Psychologen gehen, werden schnell stigmatisiert und in eine Schublade gesteckt: krank, schwach, nicht mehr leistungsfähig oder sogar verrückt. Das muss so nicht sein!

 

Der Besuch bei einem Psychologen kann und darf auch gerne in präventiver Natur geschehen, um Schlimmerem vorzubeugen. Wenn das Problem mal nicht ganz so schlimm ist, gäbe es auch noch eine gute Alternative zum Therapeuten.

Ich bin doch nicht verrückt!

Sprechstunden mit Deinem Therapeuten sind heute immer häufiger online per Webcam möglich.
Sprechstunden mit Deinem Therapeuten sind heute immer häufiger online per Webcam möglich.

Nein, verrückt bist Du nicht. Denn sonst könntest Du Dich nicht selbst dazu entscheiden, einen Psychologen - oder korrekter einen psychologischen Psychotherapeuten als Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das täten dann andere Leute für Dich erledigen. Dann tätest Du allerdings gleich beim Psychiater landen. Schlimmstenfalls per Zwangseinweisung.

 

Über solche krassen Fälle möchte ich hier gar nicht sprechen! Es geht darum, Dich dazu zu ermutigen, im Zweifelsfall bei einem Psychotherapeuten in einer Lebenskrise wie einer Trennung, einem Todesfall oder einem Trauma Hilfe zu suchen oder im Verdachtsfall einer ernsten Problematik - wie zum Beispiel einer Depression - Dir Gewissheit und Rat zu holen, so lange Du Deine Situation noch selbst im Griff hast. Gerade bei Depressionen ist das wichtig, weil diese gewöhnlich schleichend in Dein Leben kommen und Du sie nicht bemerkst.

Aber auch eine ungute Situation an Deinem Arbeitsplatz sollte Deinem Hausarzt oder dem Psychotherapeuten Deiner Wahl frühzeitig angezeigt werden, um entsprechende Strategien dagegen zu fahren. Wenn schon psychosomatische Anzeichen im Raum stehen, kann ein Psychotherapeut Dich mit einer Krankschreibung schützen, die Dir Dein Hausarzt vielleicht verweigert hat. Das kann Dich vor einem Burnout oder einer Depression retten.

Was viele Leute über einen Besuch beim Therapeuten denken

Am Arbeitsplatz in die Gerüchteküche zu geraten, ist nicht gut für Deine Karriere. Das gilt insbesondere bei psychologischen Problemen.
Am Arbeitsplatz in die Gerüchteküche zu geraten, ist nicht gut für Deine Karriere. Das gilt insbesondere bei psychologischen Problemen.

Weil es bis heute immer noch einen merkwürdigen Ruf hat, einen Psychiater, Psychologen oder Psychotherapeuten aufzusuchen, möchte das kaum jemand offen zugeben. Es ist ein Makel, dass Dir schnell viele Nachteile und Ärger einbringen könnte. Das gilt vor allem am Arbeitsplatz, wo Du mit Deiner Leistungsfähigkeit glänzen musst, um als wertvoller und unentbehrlicher Mitarbeiter / Mitarbeiterin dem Chef zu gefallen und Dich gegen Deine Kollegen oft durchsetzen musst. Nun stell Dir mal vor, dieses Image bekommt Risse. Gerade bei einer Bewerbung um einen neuen Arbeitsplatz wäre es schnell ein KO-Kriterium, wenn herauskäme, dass Du schon einmal oder gar regelmäßig psychologische Hilfe in Anspruch genommen hättest. Auch wenn Du das selbstbewusst und positiv in Deinem Vorstellungsgespräch verkaufst, kann es Dich Deinen anvisierten Wunscharbeitsplatz kosten, weil Dein zukünftiger Chef diesem Thema nicht so aufgeschlossen gegenüber steht. Das sind nicht nur Klischeegründe oder Unaufgeklärtheit, sondern vor allem 2 ganz handfeste Gründe:

  1. der Personaler / Chef will sich keine Mitarbeiter einkaufen, die plötzlich und vielleicht sogar längerfristig ausfallen können, was der Chef dann zu bezahlen hätte, ohne eine Gegenleistung zu erhalten
  2. der Personaler bekäme einen Riesenärger mit dem Chef, wenn er oder sie einen Risikokandidaten einstellt, der nicht die gewünschte Leistung bringt. Bei einer Wiederholung dieser Entscheidung wäre das auch das berufliche Ende des Personalers.

So wird leider schnell klar, dass Du Deine Besuche beim Psychologen oder gar Psychiater besser diskret im Hintergrund halten solltest. Wenn Du diese Hilfe nicht erst im Krankheitsfall, sondern schon präventiv nutzen möchtest, finde ich das gut, um echten Problemen frühzeitig vorzubeugen und problembewusst zu werden. Das macht Dich dann wirklich stark.

 

Viele Menschen aus der älteren Generation - ich meine hier Menschen, die den 2. Weltkrieg und die Nachkriegszeit bewusst miterlebt haben - sind von Traumata und psychischen Schäden besonders betroffen. Die meisten haben aber nie therapeutische Hilfe in Anspruch genommen. Sie haben niemals über die schrecklichen Dinge, die sie erlebt haben, gesprochen. Sie haben alles in sich hineingefressen und schweigen. Die Folgen sind deutliche Verhaltensauffälligkeiten und Verhaltensstörungen wie verinnerlichte Ängste auf der einen Seite und plötzliche,  massive Aggressionsschübe auf der anderen Seite. Seit damals leben sie mit dem Mantra: Einfach nur überleben, irgendwie durchkommen, keine Schwäche zeigen...koste es, was es wolle! Auch heute täten diese Menschen keine Hilfe annehmen und ignorieren solche Angebote beharrlich. Sie werden ihre Traumata mit ins Grab nehmen. 

 

Andere Länder, andere Sitten: In den USA ist es seit den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts eine Mode der (vereinsamten) Großstädter, ihren eigenen Therapeuten zu haben, mit dem sie sich über ihre Probleme und Lebenskrisen unterhalten. Es ginge also, wenn man es wollte, in unserer Gesellschaft dieses Tabu zu entstigmatisieren.

Was das regelmäßige Gespräch mit dem Psychologen tatsächlich ist

Führungskräfte sollten sich bei Bedarf Rat von einem Psychologen holen und ihre Führungsmethoden besprechen, um wissenschaftlich auf dem neusten Stand zu bleiben.
Führungskräfte sollten sich bei Bedarf Rat von einem Psychologen holen und ihre Führungsmethoden besprechen, um wissenschaftlich auf dem neusten Stand zu bleiben.

Wenn Du Dir einen oder mehrere Therapeuten gesucht hast, die sich auf bestimmte Themen, die für Dich relevant sind, spezialisiert haben, hast Du jeweils eine gute Anlaufstelle, um aufkommende Krisen und Probleme unter Kontrolle zu bekommen, bevor sie ausufern und Dein Leben bestimmen.

 

Der Psychologe übernimmt eine Beratungsdienstleistung oder eine Behandlungsdienstleistung für Dich. Er oder sie beliefert Dich mit Wissen, was Du nicht hast und Du Dir in dieser Tiefe kurzfristig auch nicht aneignen kannst. Somit betreibst Du Outsourcing. Betriebe tun das auch...regelmäßg. Warum also auch nicht Du als Privatperson?

Wie Du den Besuch beim Psychologen nutzen solltest

beruflich

Wenn Du ein Problem hast oder in einer Lebenskrise steckst, weißt Du, dass Du nicht allein bist. Bitte nutze diese Chance. Du bist auch wichtig.
Wenn Du ein Problem hast oder in einer Lebenskrise steckst, weißt Du, dass Du nicht allein bist. Bitte nutze diese Chance. Du bist auch wichtig.

In bestimmten Berufen, die mit Menschen zu tun haben, ist der regelmäßige Umgang mit Psychologen und Therapeuten normal oder sogar ein vorgeschriebener Berufsstandard. Allgemein ist diese Prozedur als Supervision bekannt. Im Bedarfsfall ist es ein Therapiegespräch.

 

Ärzte, Therapeuten, Sterbebegleiter und Berater sollten sich regelmäßig von einer kompetenten Person supervidieren lassen, um offen oder unterschwellig vorhandene, eigene Probleme nicht auf ihre Klienten oder gar Patienten zu spiegeln bzw. ihr Urteilsvermögen hier nicht negativen Einflüssen auszusetzen, was sich dann in irgendeiner Form  negativ auf den Klienten oder Patienten niederschlägt. Wenn ein Therapeut selbst in seiner Kindheit sexuell missbraucht worden ist, kann das schnell für beide Seiten zu einem Problem für beide Seiten werden, wenn der Patient selbst mit diesem Problem zu diesem Therapeuten kommt. Darum müssen angehende Psychologen zunächst gründlich selbst 'vor ihrer eigenen Tür kehren', bevor sie an Patienten herangelassen werden. Dies geschieht während des Studiums.

 

Ein anderer Klassiker, wo Psychologen regelmäßig im Beruf zu Einsatz kommen, ist bei der Polizei und beim Militär. Polizisten und Soldaten erleben in ihrer Dienstzeit immer wieder schlimme Dinge, die sie psychisch verarbeiten müssen. Auch Situationen, wo es um (das eigene) Leben und Tod geht, kommen immer wieder vor. Ein Polizist, der im Einsatz einen Menschen erschossen hat, bekommt sofortige psychologische Hilfe angeboten. Die ist dann auch sicherlich nötig. Bei Soldaten sind posttraumatische Belastungsstörungen ein großes Thema.  

 

Generell empfehle ich jedem, der beruflich mit (stressigen) Menschen zu tun hat, sich einen Therapeuten oder einen Supervisor zu suchen, wo Du regelmäßig - ich denke, alle 2 Jahre ist ein gute Zeitraum - eine Supervision buchst. Du könntest selbst ein aktuelles Thema vorgeben oder um ein aktuelles Thema bitten, dass Ihr dann bearbeitet, um Deine Kompetenz im Umgang mit Deinen anvertrauten Menschen oder mit Dir selbst zu stärken. Eine Supervision kannst Du auch mit Deinen Kollegen gemeinsam buchen. Dann teilt Ihr Euch die Kosten.

privat

Eine meiner ältesten Freundinnen ist eine psychologische Psychotherapeutin und, wie ihr Mann, eine selbstbewusste Persönlichkeit. Das heißt, dass es ab und zu Reibungspunkte in der Beziehung gibt, die dann nicht selten langwierig ausdiskutiert werden, weil keiner der Beiden einfach so klein beigibt. Auch privat nutzt sie darum die gute Gewohnheit aus dem Berufsleben, sich regelmäßig mit ihrem Mann und einem Paartherapeuten zu treffen, um den Stand ihrer Beziehung zu besprechen, Unklarheiten aus der Welt zu schaffen und gemeinsam neue Ziele in ihrer Beziehung zu stecken. Die Ehe hält seit fast 20 Jahren und läuft...

 

Solche Maßnahmen könnte man auch für die ganze Familie beispielsweise in einer systemischen Familienaufstellung gut realisieren.

 

Ich hoffe, ich habe es geschafft, Dir die Unsicherheiten zur Beratung durch einen Therapeuten zu nehmen. Du hättest hier ein mächtiges Werkzeug an der Hand, um Lebenskrisen zu beenden oder erst gar nicht entstehen zu lassen. Niemand anders muss es erfahren, dass Du psychologische Hilfe in Anspruch nimmst, wenn Du es nicht sagen willst. Hauptsache es hilft Dir weiter in Deinem Leben.

 

Für Düsseldorf könnte ich Dir die eine oder andere gute Therapeutenempfehlung geben, wenn Du möchtest.

Welche Alternativen gibt es zum Psychologen?

So lange Du an keiner psychischen Krankheit oder einem akuten Trauma leidest, kannst Du auch zu einem Coach oder Verhaltenstrainer gehen.

 

Als gesunder Mensch, kannst Du ein ungelöstes Problem haben oder sehen, dass eine ungewollte Situation privat oder an Deinem Arbeitsplatz auf Dich zukommt, die Du gerne vermeiden oder lösen möchtest. Dafür bin ich für Dich da!

 

Gerne können wir in einem kostenlosen Orientierungsgespräch abklären, ob und wie ich Dich unterstützen kann. Ich freue mich auf Deine Anfrage.

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